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Abstract

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen
Hypertensive diseases of pregnancy

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen treten in 5—10% aller Schwangerschaften auf,sind jedoch für 15—20% der mütterlichen Todesfälle und für einen Großteil der mütterlichen Morbidität während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett verantwortlich. Im Wesentlichen unterscheidet man die schwangerschaftsinduzierte Hypertonie, die chronische Hypertonie, die Präeklampsie und die »Pfropf«-Präeklampsie.Die Präeklampsie ist ein Krankheitsbild sehr heterogener Ätiologie, bei der sich pathophysiologisch nach einer gestörten Nidation die Spiralarterien im zweiten Trimenon nur unvollständig ausbilden. Hieraus resultieren eine erhöhte Reaktivität des Gefäßsystems gegenüber vasoaktiven Substanzen mit einer generalisierten Vasokonstriktion sowie eine Störung der Endothelzellfunktion mit der Bildung von Mikrothromben und einer Aktivierung des Gerinnungssystems.Diese Veränderungen können alle Organe betreffen, vor allem aber die Plazenta und den Fetus, die Niere und das Gehirn. Entsprechend der genetischen Heterogenität ist das Wiederholungsrisiko erhöht und liegt zwischen 10% und 40%. Schwangere und ihre Feten müssen bei diesen Erkrankungen während der Schwangerschaft engmaschig ambulant überwacht werden, ggf. auch stationär, da alle schweren Verlaufsformen in ein HELLP-Syndrom oder eine Eklampsie münden können. Schwere Formen erfordern unter Abwägung weiterer Schwangerschaftskomplikationen, wie z.B. einer möglichen Frühgeburt, therapeutisch die baldige Entbindung, ggf.nach einer Lungenreifebehandlung und wenn möglich vaginal. Magnesium i.v. ist das Mittel der Wahl bei schwerer Präeklampsie und bei Eklampsie. Eine antihypertensive Therapie ist ambulant nur bei der chronischen Hypertonie angezeigt, dabei bevorzugt mit a-Methyldopa und ß-Blockern, in zweiter Linie auch mit Dihydralazin oder Kalziumantagonisten. Bei schweren Verlaufsformen kann man stationär bei Blutdruckwerten von >160/110 mmHg Urapidil, als Reserve auch Dihydralazin oder Kalziumantagonisten i.v. geben. Ist aufgrund der Dynamik der Erkrankung eine Sectio caesarea indiziert, sollte diese unter Regionalanästhesie erfolgen. Da weder ein valider Vorhersageparameter für die Entwicklung einer Präeklampsie existiert, noch eine effektive Prophylaxe der Präeklampsie zur Verfügung steht, liegt der Schwerpunkt in der Behandlung der hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft auf der rechtzeitigen Erkennung und einer angemessenen Behandlung.

Frank Chen
Charité - Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Geburtsmedizin,
Charité Campus Virchow-Klinikum,Berlin

Reviewer: Ulrike Friebe-Hoffmann, Düsseldorf
und Britta Reichstein, Bremerhaven

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Endokrinol 2008; 4(1): 24-34