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Abstract

Adjuvante Chemo- und Antikörpertherapie des Mammakarzinoms
Adjuvant chemotherapy and antibody therapy in breast cancer

Eine grundlegende und häufig sehr schwierige Therapieentscheidung bei hormonsensiblen Tumoren in der adjuvanten Situation ist die Indikation zur Chemotherapie zusätzlich zu einer endokrinen Therapie. In allen Fällen muss individuell zwischen Nutzen (Überlebensvorteil) und Risiko (Nebenwirkungen) der systemischen Therapieoptionen abgewogen werden. Die adjuvante Chemotherapie ist aber ein integraler Bestandteil der systemischen Therapie des Mammakarzinoms und die zielgerichtete Therapie (»targeted therapy«) ist seit der Zulassung von Trastuzumab (Herceptin®) für HER2/neu-positive Patientinnen als weiterer Therapieansatz hinzugekommen.In dieser Übersicht werden die aktuellen Empfehlungen der Kommission Mammakarzinom der AGO sowie die offenen Fragen und aktuellen Studien in Deutschland vorgestellt. Anthrazykline stellen weiterhin den Grundbaustein der adjuvanten Therapie dar. Es gibt derzeit allerdings keinen Konsens darüber,welches »das beste« anthrazyklinhaltige Schema ist. Die Gesamtheit der Daten zum Einsatz von Taxanen in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms einschließlich vorliegender Meta-Analysen begründet, dass die AGOTherapieempfehlungen taxanhaltige Schemata für die adjuvante Behandlung nodal-positiver Patientinnen uneingeschränkt empfehlen. Bisher konnte eine prospektive Phase-3-Studie für nodal-negative Patientinnen im Hinblick auf das krankheitsfreie Überleben einen Vorteil der Therapie mit TAC verglichen mit FAC, nicht aber für das Gesamtüberleben zeigen. Der Einsatz von Taxanen bei nodal-negativen Patientinnen mit Risikofaktoren kann somit aufgrund dieser Daten erwogen werden. Eine neuere Option für eine anthrazyklinfreie Chemotherapie ist die Kombination von Docetaxel (Taxotere®) und Cyclophosphamid (DC, häufiger TC abgekürzt) für 4 Zyklen, die einen Vorteil für das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben gegenüber 4 Gaben von Adramycin und Cyclophosphamid (AC) gezeigt hat. Diese Option ist somit der Therapie mit CMF als anthrazyklinfreie Therapie vorzuziehen. Die aktualisierten Empfehlungen der AGO sehen die adjuvante Therapie mit Trastuzumab bei Patientinnen mit HER2/neu-überexprimierendem Mammakarzinom mit Lymphknotenbefall sowie bei nodal-negativer Erkrankung mit zusätzlichen Risikofaktoren wie einer Tumorgröße ≥1 cm vor. Während die Verbesserung im progressionsfreien und Gesamtüberleben als gesichert gelten kann, gibt es jedoch eine Reihe offener Fragen in Bezug auf die ausreichende (optimale) Behandlungsdauer oder den alleinigen Einsatz von Trastuzumab ohne Chemotherapie.

Volkmar Müller1, Elmar Stickeler2
1 Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf,Hamburg
2Universitäts-Frauenklinik Freiburg, Freiburg
Für die Kommission Mammakarzinom der AGO

Reviewer: Christoph Thomssen, Halle
und Nadia Harbeck,Köln

Müller V. Adjuvante ... Gynakol Geburtsmed Gynakol Endokrinol 2010;6(1):68-79 publiziert 31.03.10 www.akademos.de/gyn ©akademos Wissenschaftsverlag 2010 ISSN 1614-8533