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Abstract

Prostaglandine zur Geburtseinleitung und bei Uterusatonie
Prostaglandins for induction of labour and treatment of uterine atony

Die Anwendung von Prostaglandinen (PG) ist heute zur Geburtseinleitung und zur Behandlung der Uterusatonie unverzichtbar. Der Geburtshelfer sollte die Effizienz sowie die Rate systemischer und uteriner Nebenwirkungen der verschiedenen Prostaglandinpräparate kennen. In Deutschland sind zur Geburtseinleitung zugelassen: die intrazervikale Applikation von 0,5 mg PGE2-Gel (Bishop- Score [BS] =? 5), 1—2 mg PGE2-Vaginalgel (BS ≥ 4), 3 mg PGE2-Vaginaltablette (BS ≥ 6) und 10 mg PGE2-Vaginalinsert (bis BS 8). Laut jüngster RCOG-Leitlinie ist die vaginale Gabe von PGE2 die Methode der Wahl und der intrazervikalen Applikation überlegen. Die verschiedenen vaginalen Anwendungsformen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Effizienz und der Rate uteriner Überstimulierungen (1—5 %) nicht signifikant. Die Empfehlungen zur Überwachung (CTG) sind nicht evidenzbasiert und richten sich nach der Pharmakokinetik und dem Wirkungseintritt. Die Vorteile von Misoprostol gegenüber PGE2 sind der einfache Applikationsmodus (oral, vaginal), die Stabilität bei Raumtemperatur und die niedrigeren Kosten, der Nachteil der Off-Label- und Off-License-Use. Zum optimalen Applikationsmodus und zur optimalen Dosierung von Misoprostol liegen bisher keine evidenzbasierten Empfehlungen vor. Bei reifer und unreifer Zervix hat sich die vaginale Gabe von 25 µg Misoprostol in vierstündlichen Intervallen als sicher und effektiv erwiesen. Im Vergleich zur vaginalen PGE2-Gabe zeigte die niedrigdosierte Anwendung von oralem und vaginalem Misoprostol hinsichtlich der Effizienz und der Rate uteriner Überstimulierungen keine signifikanten Unterschiede. Nach Sectio caesarea dürfen ausweislich nationaler und internationaler Leitlinien PGE2-Präparate nur bei medizinischer Indikation zur Geburtseinleitung und nach ausführlicher Aufklärung über das erhöhte Rupturrisiko eingesetzt werden, Misoprostol ist kontraindiziert.

Werner H. Rath
Gynäkologie und Geburtshilfe, Medizinische Fakultät des
Universitätsklinikums Aachen

Reviewer: Alexander Krafft, Zürich, CH
und Volker Briese, Rostock

Rath H. Prostaglandine... Gynakol Geburtsmed Gynakol Endokrinol 2010; 6(3):206-220 publiziert 30.11.10 www.akademos.de/gyn ©akademos Wissenschaftsverlag 2010 ISSN 1614-8533