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Abstract

Anomalien der Fruchtwassermenge
Anomalies of amniotic fluid

Anomalien der Fruchtwassermenge im Sinne eines Polybzw. Oligohydramnions gehen mit erhöhten Raten an Schwangerschaftskomplikationen einher und sind außerdem mit einer erhöhten perinatalen Morbidität und Mortalität assoziiert. Die primären Ursachen eines Polyhydramnions sind Diabetes in der Schwangerschaft und fetale Fehlbildungen, vor allem im Bereich des Gastrointestinaltrakts. Direkte Komplikationen, bedingt durch die größere Bewegungsfreiheit und die gesteigerte uterine Dehnung, sind einerseits Lageanomalien, Nabelschnurkomplikationen wie Nabelschnurumschlingung und -vorfall bei einem Blasensprung, andererseits vorzeitige Wehentätigkeit mit und ohne vorzeitigen Blasensprung, einhergehend mit einem gesteigerten Frühgeburtsrisiko. Beim Oligohydramnion sind die Plazentainsuffizienz und der vorzeitige Blasensprung die führenden Ursachen. Bei der Evaluation des Oligohydramnions haben daher nach dem sicheren Ausschluss eines Blasensprungs (Schnelltests mit Bestimmung des PAMG-1 [placental alpha-microglobulin-1] oder des npIGFBP-1 [non-phosphorylated insulin-like growth factor binding protein-1]) die Dopplersonografie und das Kardiotokogramm mit und ohne fetalem biophysikalischem Profil einen besonderen Stellenwert. Sie sind aus der weiteren klinischen Betreuung nicht wegzudenken. Therapeutisch sollten Veränderungen der Fruchtwassermenge im Idealfall kausal behandelt werden, z. B. indem der Gestationsdiabetes durch eine Diät oder durch Insulin behandelt wird. In einigen Fällen bleibt jedoch nur eine symptomatische Therapie, wobei in Deutschland weder der Amnioninfusion noch den seriellen Entlastungspunktionen besondere Bedeutung zukommt, obwohl beide Verfahren bei bestimmten Indikationen nachgewiesenermaßen Vorteile für Mutter und Kind bieten. Meist bleibt jedoch nur der Weg einer intensivierten, aber dringend erforderlichen peripartalen Überwachung.

Bernd C. Schmid, Holger Maul
Katholisches Marienkrankenhaus Hamburg
Reviewer: Stephan Henschen, Schwerin
und Isabel Grochla, Köln

Maul H. Anomalien ... Gynakol Geburtsmed Gynakol Endokrinol 2011; 7(2): 138–148 publiziert 31.07.11 www.akademos.de/gyn ©akademos Wissenschaftsverlag 2011 ISSN 1614-8533