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Abstract

Die fetale Alloimmunthrombozytopenie
Fetal alloimmune thrombocytopenia (FAITP)

Fetale Thrombozytopenien (Thrombozytenzahl unter 150000/µl) sind seltene, aber oft schwerwiegende Erkrankungen, für die eine Inzidenz von 1:600 bis 1:5000 angegeben wird (Ghidini 2006). Sie haben verschiedene mögliche Ursachen: immunologische, infektiöse (z.B. Parvovirus-Infektion), genetische bei TAR-Syndrom mit assoziierter Radiusaplasie oder bei Fanconi-Anämie (Jones 1997), selten auch bei Aneuploidien (Hohlfeld et al. 1994) und Präeklampsie (Sola et al. 2000). Subsummiert unter den Begriff der immunologischen Thrombozytopenien sind die fetalen Alloimmunthrombozytopenien (FAITP). Die Inzidenz der durch maternale Plättchen- Antikörper beim Ungeborenen ausgelösten FAITP (immunologisch) liegt bei 1:1000 bis 1:5000 Geburten (Burrows et al. 1993; Bussel et al. 1997). Die Schwangere mit einem Feten mit FAITP ist asymptomatisch, auch Erstgebärende können betroffen sein. Bei Vorliegen maternaler antithrombozytärer Alloimmunantikörper mit fetaler Thrombozytopenie ist aufgrund der hohen intrauterinen Blutungsgefährdung und einem nicht sicher nachgewiesenen Effekt weniger invasiver Maßnahmen das invasive Vorgehen (intrauterine Punktion und Transfusion) zur Verhinderung möglicher Blutungskomplikationen notwendig und gerechtfertigt. Als wirksame therapeutische Maßnahme kann gegenwärtig nur die regelmäßige intrauterine Transfusion kompatibler Thrombozyten empfohlen werden. Bei wöchentlichen Transfusionsintervallen hat sich die Anhebung der fetalen Thrombozyten auf Werte über 500000/µl empfohlen (pers. Mitteilung Dr. Bald, UFK Köln), um ein Absinken der Werte auf unter 30000/µl zu verhindern. Dabei ist zu bedenken, dass das feto-plazentare Blutvolumen etwa 150 ml/kg KG beträgt, das Blutvolumen des Neugeborenen jedoch nur etwa 80 ml/kg KG ausmacht. Die Chordozentesen sollten nach gesicherter Diagnose in der 20. bis 22. SSW beginnen. Wegen der möglichen Blutungskomplikationen (s. o.) im späteren Schwangerschaftsalter sollte die Entbindung durch Sectio caesarea ab angenommener Lungenreife in der 36—37. SSW erfolgen.

Günther Giers,Regina Riethmacher, Boris Tutschek

Reviewer:Rainer Bald, Leverkusen
und Abdulgabar Salama, Berlin

CME Praktische Fortbildung Gynäkologie, Geburtsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie 1/2007:40- 46